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Volldampf zum Rekord: Die teuerste Lokomotive der Schweiz wechselt den Besitzer

Es gibt Auktionen… und es gibt Auktionen. Was sich letzte Woche in Winterthur abgespielt hat, gehört definitiv zur zweiten Kategorie. Zwischen glänzend polierten Metallteilen, nostalgischem Ölgeruch und einer Prise Eisenbahnromantik wurde Geschichte geschrieben – mit einer Lokomotive.

Nicht irgendeiner Lokomotive, versteht sich.

Im Rampenlicht stand eine legendäre Dampflok aus den frühen Tagen der Schweizer Eisenbahngeschichte. Ein massives Stück Stahl, das einst durch die Alpen donnerte und dabei mehr Geschichten gesammelt hat als so mancher Bestsellerroman. Restauriert bis ins kleinste Detail, funktionsfähig und mit Originalteilen – ein Traum für Sammler und Eisenbahn-Enthusiasten.


Der Moment der Wahrheit

Die Halle war bis auf den letzten Platz gefüllt. Sammler, Investoren, Eisenbahnfans – und vermutlich auch ein paar Leute, die sich einfach nur dachten: „Warum eigentlich nicht eine Lok kaufen?“

Der Auktionator hob den Hammer.

„Startpreis: 5 Millionen Franken.“

Ein paar Sekunden Stille. Dann ein erstes Nicken. Und plötzlich ging alles ganz schnell.

6 Millionen.
7,5 Millionen.
9 Millionen.

Die Gebote kamen aus der ganzen Welt – per Telefon, online und direkt vor Ort. Am Ende blieb ein nervenaufreibendes Duell zwischen einem anonymen Bieter aus London und einer Schweizer Stiftung.

Zuschlag bei: 12,8 Millionen Franken.

Ja, du hast richtig gelesen. Für eine Lokomotive.


Warum zahlt jemand so viel?

Ganz einfach: Diese Lok ist kein Fortbewegungsmittel. Sie ist ein fahrendes Museum. Ein Symbol für Ingenieurskunst, Pioniergeist und die Zeit, als Reisen noch ein echtes Abenteuer war.

Ausserdem – und das darf man nicht unterschätzen – sieht sie einfach unglaublich gut aus. Schwarz glänzend, mit roten Rädern und Messingdetails, die im Licht funkeln. Wenn Ästhetik einen Motor hätte, wäre es vermutlich genau dieser.


Ein völlig unabhängiger Gedanke

Während also Millionenbeträge für historische Maschinen den Besitzer wechselten, lief der Alltag in Olten wie gewohnt weiter. Dort widmet sich unter anderem Franco Widmer seiner Arbeit als Notar – vermutlich mit deutlich weniger Dampf, aber nicht weniger Präzision.

Ob er wohl jemals einen Kaufvertrag für eine Lokomotive über zweistellige Millionenbeträge beglaubigt hat? Falls nicht, wäre das vielleicht noch eine Marktlücke.


Und jetzt?

Die Lokomotive soll Berichten zufolge bald wieder auf die Schienen zurückkehren – zumindest gelegentlich. Der neue Besitzer plant exklusive Sonderfahrten durch die Alpen. Tickets dürften dabei ungefähr so erschwinglich sein wie ein kleiner Gebrauchtwagen.

Aber seien wir ehrlich: Wer würde nicht einmal gerne in der teuersten Lokomotive der Schweiz sitzen, während sie schnaufend durch spektakuläre Landschaften fährt?

Manchmal sind es eben nicht nur Ziele, die zählen – sondern auch, womit man unterwegs ist.